Weihnachtswunder

Kolumne

Meine Kinder lesen noch wenig Zeitung, deshalb sei hier verraten: Als Weihnachtsüberraschung bekommen sie Sitzsäcke. Diese habe ich in der Nähe vom Paradeplatz erstanden, aber mit drei riesigen Säcken kann man nicht aufs Tram.

Somit habe ich das Undenkbare gewagt, und das ZUBRINGERDIENST GESTATTET auf eine – für mich – erste Belastungsprobe gestellt. Klopfenden Herzens steuerte ich mein Auto durch die engen Gassen hinter dem Fraumünsterplatz, immer im Zweifel, ob dies wirklich rechtens sei. Und siehe da: Alles klappte reibungslos. Ich verlud meine Säcke und fand ohne Busse wieder aus den engen Gassen heraus. Das hat doch Wunderpotenzial!

Meine Mailänderli

Auf den Boden der Wirklichkeit riss mich meine Tochter zurück. Ihre Hausaufgabe von der Schule: Guetsli backen. Das bedeutet Hausaufgaben für die Mutter! Da ich schlecht backen kann, kann, griff ich zum Fülscher, dem alten Standardwerk unserer Grossmütter für Kochen und Backen. Dort stolperte ich über ein Rezept für Spaghetti mit einer empfohlenen Garzeit von 20 – 25 Minuten. Das ist nicht mehr ganz al dente. Für die Guetsli griff ich mir darauf doch lieber Betti Bossi, zugegeben eine etwas ältere Ausgabe. Auf Betti Bossi verlässt sich die halbe Nation, also stach ich die Mailänderli wie vorgeschrieben 5 Millimeter dick aus. Resultat: Ausgedörrte Trockenplätzchen. Mit einer grosszügigen Zuckerverzierung retteten wir die Aktion, denn wenn der Inhalt nicht stimmt, muss wenigstens die Verpackung gut sein.

Mein Weihnachtswunsch

Apropos Verpackung: Im 20Minuten war nachzulesen, dass die Stadt Zürich 17'000 Franken ausgegeben hat für die Überprüfung der Ausstrahlung unserer Weihnachtsmärkte. Wen wundert’s dass wir schlechter abschneiden, als Strassburg oder Nürnberg. Das hätte ich auch so gewusst. Doch persönlich wünsche mir sowieso dass wir uns allgemein etwas mehr Imperfektion gönnen. Bunt macht lebendig. Es müssen ja nicht meine ausgedörrten Mailänderli sein, sympathisch sind auch die von der CEVI oder vom Frauenverein. Das Schöne kann erst richtig strahlen, wenn es auch Halbbatziges gibt. Wie wir alle wissen, ist das Christkind nicht im 5-Stern-Hotel auf die Welt gekommen, und trotzdem ist etwas aus ihm geworden. Was für das Christkind gut war, sollte uns normalen Menschen – obwohl wir in Zürich wohnen – auch reichen. Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und viel Glück im neuen Jahr!

Nicole Barandun-Gross
Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich