23 Franken Stundenlohn hätte ich zugut!

Kolumne

Heute ist Haushalt-Tag und ich stehe vor Bergen von Wäsche. Ich liebe meine Familie wirklich, doch heute überlege ich, warum ich für diese endlos repetitive Arbeit eigentlich keinen Mindestlohn von 4’000 Franken bekomme. Das würde mich ein bisschen motivieren.

Aber die Hausfrauen haben die Gewerkschaften nicht im Visier, wenn sie 4’000 Franken Mindestlohn fordern. Es sind andere… ja wer eigentlich? Gerade die Haushaltarbeit ist in einem sogenannten Normalarbeitsvertrag (NAV) geregelt. Dieser NAV legt fest, dass Hausangestellte ohne Ausbildung aber mit Erfahrung inklusive Zuschläge für Ferien und Feiertage rund 24 Franken pro Stunde verdienen. Das ist etwas mehr als 4'000 Franken. Das ist richtig so, sonst besteht die Gefahr, dass sie ausgenutzt werden. Normalarbeitsverträge gibt es zum Beispiel auch im Detailhandel. Dort sind aber die Löhne von Kanton zu Kanton verschieden.

Die Löhne sind nicht das Problem!

Die Gewerkschaften messen die ganze Schweiz mit der gleichen Elle und fordern, fordern, fordern, ohne die wirtschaftlichen Verhältnisse ausserhalb der Ballungszentren zu berücksichtigen. Natürlich gibt es schwarze Schafe bei den Arbeitgebern, aber in der Regel wird anständig gezahlt, beziehungsweise soviel wie der Markt hergibt.

Zudem verkennen die Gewerkschaften das eigentliche Problem. Schweizer Arbeitnehmende haben nicht Angst vor tiefen Löhnen, sondern vor dem Alter. Manche ältere Arbeitnehmende – und alt ist man spätestens ab 50 – würden wahrscheinlich lieber für weniger als 4'000 Franken pro Monat arbeiten, anstatt Sozialgeld zu beziehen. Das ist provokativ, aber es ist bittere Realität. Dieses heisse Eisen fassen die Gewerkschaften lieber nicht an, denn dann müsste man auch über die hohen BVG-Beiträge der tiefen Jahrgänge reden.

4'000 Franken sind ein total falsches Signal

Gerade auch wegen der älteren Arbeitnehmenden wäre ein Mindestlohn von 4'000 Franken ein total falsches Signal. Ende 2013 pendelten 280'000 Grenzgänger in die Schweiz, Tendenz leicht steigend. Wenn man den Lohnunterschied zum Umland mit 4'000 Franken Mindestlohn noch verstärkt, werden noch mehr Grenzgänger kommen und diejenigen verdrängen, die kein ideales Qualifikationsprofil haben. Die hohe Zuwanderung von jungen, willigen Arbeitskräften ist ein politisches Pulverfass.

Die tiefsten Löhne in der Schweiz sind auch ohne Mindestlohnvorschriften ungefähr doppelt so hoch wie in Deutschland – von Bulgarien mit 0.95 Euro pro Stunde ganz zu schweigen. Ersparen wir uns den Mindestlohn, wir haben andere Probleme zu lösen.

Nicole Barandun-Gross
Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich

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