Fussball made in Switzerland

Kolumne

Seit dem Anpfiff der Fussball-WM hat mich das Fussballfieber gepackt und mit mir ist offensichtlich die halbe Schweiz infisziert. Fahnen und Fähnchen mit weissem Kreuz auf rotem Grund zieren überall Rückspiegel und zahlreiche Balkone.

Mein Gwerbler Herz schmerzt einzig, dass praktisch alle Fanutensilien aus dem fernen Osten stammen. Natürlich hoffe ich sehr, dass unsere Nati zum Zeitpunkt, an welchem diese Kolumne erscheint, in Brasilien noch dabei ist. Unsere bunte multikulti Kickertruppe vereint alle Schweizer, ob hier geboren oder eingebürgert, und das ist gut so. Sie verdienen alle das Label „Made in Switzerland“. Etwas entzweit hat uns allerdings die Frage, ob es wirklich nötig ist, dass wir uns im Schweizer Trikot nicht nur als Fans unserer Fussballmannschaft, sondern zwangsweise auch gleich als Fans einer Schweizer Grossbank outen müssen. Wenn es wenigstens Werbung für ein Schweizer Produkt wäre, auf welches wir stolz sein können, wie guter Käse zum Beispiel. Der stinkt zwar auch, aber nicht zum Himmel, wie die jüngsten Praktiken eben dieser Schweizer Bank.

Viel Freud, viel Lärm

Etwas schwierig sind auch die Spielzeiten an dieser WM. Zwar freut den Chef, dass alle Mitarbeiter erst kurz vor 18.00 Uhr zielstrebig das Büro oder die Werkstatt verlassen. In anderen Jahren wurden die ersten Spiele bereits am Nachmittag angepfiffen. Seit kurzem erscheint der Eine oder Andere dafür etwas erschöpft zur Arbeit. Glücklich ist dieser Tage, wer einen verständnisvollen Vorgesetzten hat. Nicht einfach sind die späten Anspielzeiten auch für die Restaurants. Public Viewing erfreut sich zwar grosser Beliebtheit, doch stösst nächtliches Fangejubel in der Gartenbeiz nicht bei allen Nachbarn auf Verständnis. Die Stadt Seldwyla – pardon, Zürich - hat es sich nicht entgehen lassen, Vorschriften zu erlassen, wie gross der Fernseher im Gartenrestaurant höchstens sein darf. Dabei hält der fussballerische Ausnahmezustand doch nur relativ kurze Zeit an. Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme sind hier gefragt. Etwas Grosszügigkeit sollte man sich auch bewahren, wenn nach der Fussball-WM nicht das Fangeschrei, sondern der Lastwagen, der das Bier anliefert, wieder einmal etwas lauter ist. Vielleicht arbeiten auch der Bäcker und der Schreiner nicht ganz so still, wie man es sich wünscht. Aber schliesslich sorgen sie nicht nur während ein paar Wochen für ein gutes Gefühl, sondern versorgen uns 365 Tage im Jahr mit allem, was wir brauchen. Für ein angenehmes Leben müssen wir alle am gleichen Strick ziehen: Hopp Schwiiz!

Nicole Barandun-Gross
Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich

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