Showdown am Gotthard

Kolumne

Vor einigen Jahren erlebte ich im Gotthard gerade vor mir eine Streifkollision zwischen einem Car und einem PW. Glücklicherweise ist nichts Schlimmes passiert, aber ich hatte vielleicht einen Schreck!

Der Gotthard ist lang und eng. Ich fühle mich darin nie wohl und wenn immer möglich nehme ich den Zug oder den Weg über den Pass. Für Lastwagen, die zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin unterwegs sind, ist das leider keine Option. Nun muss der Gotthard saniert werden und zu diesem Zweck soll eine zweite Röhre gebaut werden. Ich würde dieses Geld auf den ersten Blick auch lieber in die Bildung als in den Strassenbau investieren. Und wenn schon, dann sind doch erst mal wir Zürcher dran. Wir haben schliesslich am meisten Stau. Aber ein gut ausgebautes und vor allem sicheres Strassennetz gehört zur Infrastruktur unseres Landes. Für das Gewerbe ist das enorm wichtig. Und für den Strassenbau rund um Zürich sind die Gelder in einem anderen Kässeli bereit gestellt.

Vor 22 Jahren haben wir die Alpen-Initiative in die Verfassung geschrieben, und seither darf es niemals eine 2. Tunnelröhre geben. Nun verdächtigt man die Verkehrslobby, heimlich auf vier Spuren ausbauen zu wollen. Statt einer zweiten Sanierungsröhre sollen deshalb jährlich 820'000 LKWs in Erstfeld und Biasca verladen werden, also rund 2'700 pro Tag. Das würde wahrscheinlich ein ziemlicher Murks. Es scheint etwas aus der Mode gekommen, aber ich bin der Meinung, dass wir Schweizer unsere Verfassung respektieren, und ich bin überzeugt, dass dies unsere Politiker ebenso sehen. Der Verkehr nimmt übrigens zu, weil wir immer mehr Auto fahren und immer mehr Güter bestellen, die dann um die halbe Welt geliefert werden und nicht weil wir in der kleinen Schweiz einen Tunnel sanieren. Bleiben wir also auf dem Teppich und sorgen wir mit zwei Tunnels für unsere eigene Sicherheit am Gotthard. Das Gewerbe wird es ihnen danken.

Nicole Barandun-Gross
Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich

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