Billige Tomaten im neuen Jahr

Kolumne

Am Fernsehen war kürzlich ein Amerikaner zu sehen, der an der mexikanischen Grenze lebt. Dort soll ein meterhohes Gitter die Migranten abschrecken, aber sie schaffen es trotzdem, den Zaun zu überwinden.

Der Amerikaner im TV erklärte die Sache so: «Die Republikaner wollen billige Arbeitskräfte, die Demokraten wollen Stimmen und alle Amerikaner wollen billige Tomaten.» So müssten eigentlich alle zufrieden sein, aber sie sind es trotzdem nicht. Präsident Trump hat ihnen nun statt des Gitters eine Mauer versprochen.

Wir sind den Amerikanern recht ähnlich. Auch wir wollen hohe Löhne, billige Wohnungen und vor allem tiefe Preise. Auch bei uns geht diese Rechnung nicht auf. Nicht zuletzt deshalb sagte wohl eine knappe Mehrheit vor 3 Jahren Ja zur Masseneinwanderungsinitiative.

Bei der MEI weiss man es schon – sie wird nicht wirklich umgesetzt. Ähnliches ist bei der Mauer zu Mexiko zu erwarten. Zu gross ist das Interesse an billigen Arbeitskräften, und das ist bei uns nicht anders. Nicht nur der Private richtet sich an günstigen Preisen aus, fährt zum Skifahren nach Österreich und zum Einkaufen nach Konstanz. Auch der Staat macht gerne Schnäppchen. Der Gesetzgeber schreibt in der Submissionsverordnung vor, dass öffentliche Aufträge an den günstigsten Lieferanten vergeben werden müssen. Nicht der Gewerbetreibende in der Nähe, der hier Steuern zahlt und Arbeitsplätze sichert, bekommt den Zuschlag, denn er ist meist teurer, sondern sein Konkurrent aus der Ostschweiz oder gar aus dem Ausland. Hin und wieder kommen dann auch schwarze Schafe zum Zug. Es gibt halt nicht den Föifer und das Weggli! Vielen ist die ungehemmte Globalisierung etwas unheimlich. Man kann aber etwas tun: Denk lokal und kauf lokal! Ich wünsche Ihnen allen viel Freude und Erfolg im 2017!

Nicole Barandun-Gross
Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich

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