Alle gratis in die Badi - zu welchem Preis?

Kolumne

Pack die Badehose ein und ab ins kühle Nass!

Mehr, zum Beispiel einen Batzen für den Eintritt, braucht’s nicht, wenn’s nach der rot-grünen Mehrheit im Stadtparlament geht. Die will nämlich die Gebühren für alle Stadtzürcher Freibäder abschaffen. Dienstleistungen beanspruchen und nichts bezahlen wollen – eine zurzeit weit verbreitete Idee. Diese hier kostet die Steuerzahlenden rund 15 Millionen – pro Jahr!

Gratis sünnele – ein Grundrecht?

Dass der Staat Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung stellt, die von der Gesellschaft als grundlegend eingestuft werden und dem Gemeinwohl dienen, ist unbestritten. Nehmen wir das Recht auf Bildung: Kinder sollen gratis in der Schule lernen, später in Betrieben eine Berufsausbildung und/oder gegen moderate Gebühren ein Studium absolvieren. Bei finanziellen Engpässen gibt es Unterstützung. Das macht Sinn! Einführen von eintrittsfreien Tagen in öffentlichen Museen – ich bin dabei. Sportvereinen die Gebühren für nichtkommerzielle Nutzungen streichen – darüber lasse ich mit mir reden, leisten sie doch Enormes in Sportförderung (!), Jugendarbeit und Integration. Aber sünnele zum Nulltarif?

Nicht zu Ende gedacht…

Wer Eintritt zahlt, zählt auf Infrastruktur, Pflege der Anlage. Fehlen die Einnahmen, wird auch die Qualität sinken. Einkommensschwache erhalten schon heute Vergünstigungen, Abos rechnen sich schnell. Auch von ausserhalb werden Sonnenhungrige anreisen, das Stückchen Vegetationsdecke wird immer knapper und es ist mit Eintrittsbeschränkungen für die eh gut ausgelasteten Anlagen zu rechnen. Wegen der mitgebrachten Plastik-Palmen, -Inseln, -Einhörner usw. und des (viel zu billigen) Einweggrills samt Proviant für drei Tage (mit bestem Dank der Badi-Restauration) wird der ÖV links liegen gelassen und mit dem Auto angereist. Parkplätze? Leider nein!

Es ist schlicht unverantwortlich, jetzt, da die Folgen von Corona noch nicht abschätzbar sind und die Stadt für 2020 «mit einem negativen Ergebnis im tiefen dreistelligen Millionenbereich» rechnet, solch in der Zielerreichung fragwürdige Subventionen im Giesskannenprinzip zu propagieren.

Nicole Barandun-Gross

Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich

Diese News als PDF