Wieder einkaufen - der ganz normale Luxus

Kolumne

Mal ehrlich, mussten Sie nicht auch schmunzeln über die Warteschlangen junger Menschen an der Zürcher Bahnhofstrasse am Tag, als die Läden nach dem Lockdown zum ersten Mal wieder öffnen durften?

Nicht etwa vor dem H&M, sondern vor den Luxustempeln von Louis Vuitton und Gucci. Über Wochen hatten die Jungen keine Gelegenheit, ihr Geld auszugeben, blieben zuhause, konnten keine neuen Klamotten ausführen. Man gönnt sich ja sonst nichts, auch wenn das Gesparte am Ende vielleicht nur für einen Schlüsselanhänger oder ein Portemonnaie der gehypten Marke reichte.

Im Grundsatz richtig

Aber genau so sollten wir es jetzt alle machen. Natürlich nicht zwingend bei LV und Konsorten, sicher aber beim lokalen Detailhandel. Jetzt ist der Moment gekommen für die luftige Bluse aus der gut sortierten Boutique im Quartier mit der freundlichen Beratung. Beim Abendessen im Stammlokal mag die Maskierung des Servicepersonals wohl noch gewöhnungsbedürftig sein, eine willkommene Abwechslung ist das Geniessen in umsorgtem Ambiente allemal. Helfen wir der Wirtschaft wieder auf die Beine, kaufen und konsumieren lokal, lassen uns hier Haare und Nägel machen, gönnen uns Massage und Gesichtspflege in der Nähe.

Gegen die zweite Welle

Mit den Lockerungen und erhöhtem Publikumsverkehr kommt auch der öffentliche Verkehr wieder in die Gänge, wird zum Nadelöhr. Viele Wochen haben wir Rücksicht aufeinander genommen, Regeln beachtet – und sollten es weiterhin tun. Die VBZ empfehlen, dass Passagiere generell Maske tragen. Die wenigsten kommen dem bisher nach. Dabei ist es ganz einfach: Wenn alle im öV Maske tragen, schützen sie die anderen und damit sich selbst.

Kreativ aus der Krise

Wenn bald alles wieder hochgefahren, die Grenzen zum Ausland wieder offen sind, vergessen wir nicht jene, welche aus dem Nichts innovativ und pragmatisch Services zur Grundversorgung nicht nur mit dem Lebensnotwendigen aus dem Boden gestampft haben. Es spricht nichts dagegen, diese nahen Anbieter auch in Zukunft zu berücksichtigen. Mit Abstand und Anstand braucht’s dafür auch keine Maske…

Nicole Barandun-Gross

Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich

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