Von Neophyten und anderen Pflänzchen

Kolumne

In seiner Medienmitteilung vom 31. März lässt uns der Zürcher Stadtrat wissen, dass er Problempflanzen stetig bekämpft.

Nicht selbst, «mit spezialisierten gemeinnützigen Vereinen […], die sich ausserhalb des Markts bewegen und deren Beauftragung daher nicht unter dem Beschaffungsrecht steht». 350'000 Franken stellt der Stadtrat jährlich dafür bereit. Schön formuliert, aber nicht weniger skandalös. Landschaftsgärtner, zu deren Kernkompetenz auch das Bekämpfen von Neophyten gehört, würden diese Aufträge gerne zusammen mit ihren Mitarbeitern und Lernenden ausführen. Als Unternehmer sorgen sie für die richtige Versicherung und soziale Absicherung der Mitarbeitenden und zahlen Steuern. Während der Staat der Privatwirtschaft Vorgaben macht und sie zwangsunterstellt, vergibt er bezahlte Aufträge lieber an Vereine, die sich an keinen GAV halten und nicht bei der SUVA versichert sein müssen und die keinen Rappen in den Berufsbildungsfonds einzahlen. Ich nehme an, das kommt die Stadt günstiger. Finden Sie das in Ordnung? Ich nicht.

8 m2 Grünfläche

Haben Sie sich auch schon aufgeregt wegen Beizenlärm? Oder sind Sie nicht gerade happy mit der Sommersperrung «ihrer» Quartierstrasse? Dann dürfen Sie sich freuen: Schon bald werden die mediterranen Nächte in ihrem Garten stattfinden, wenn es denn nach Rot-Grün geht. Der kommunale Siedlungsrichtplan wurde schon mal auf den Weg geschickt. Für alle zugänglich sollen sie werden, die privaten Innenhöfe, Dachterrassen und anderen Aussenräume. Nicht nur Immobilienbesitzende, auch Mieterinnen und Mieter werden daran ihre helle Freude haben – egal welcher politischen Gesinnung.

Möglicherweise ist genau jetzt der Zeitpunkt gekommen, um über die Anschaffung eines Grills mit grösserer Grillfläche nachzudenken. Man will ja nicht ungastlich sein. Sicher empfiehlt sich der Kauf von zusätzlichem Gartengerät, damit Zaun-Gäste in ihren acht Quadratmetern öffentlichem, nutzungsoffenem Freiraum auch Hand anlegen können – das wird ein fröhliches Werkeln! Nicht geklärt ist, wie bei invasiven gebietsfremden Pflänzchen, die sich auf Kosten anderer effizient ausbreiten, vorgegangen werden soll.

Nicole Barandun-Gross

Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich

Diese News als PDF