Schulanfang - und wie weiter?

Kolumne

Kindern gilt im Strassenverkehr die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmenden, ganz besonders beim Schulanfang.

Doch nicht nur für sie hat diese Woche ein neuer Lebensabschnitt begonnen, viele Lernende im Kanton Zürich traten über in die Sek, ins Gymi oder starteten ihre Berufslehre. Kein schlechter Zeitpunkt für einige Gedanken darüber, ob wir im Bildungssystem richtig unterwegs sind.

Ressource unserer Zukunft

Die Ressource einer Gesellschaft ist die Ausbildung des Nachwuchses. Fachkräfte sind der einzige Rohstoff, den wir haben. Die Jungen sollen befähigt werden, als Erwachsene die sich im gewählten Beruf stellenden Aufgaben zu erfüllen. Und im Idealfall sollen sie glücklich sein, mit dem, was sie tun. Unser duales Bildungssystem bietet dafür beste Voraussetzungen.

Wegen Lehrermangels unterrichten in der Stadt Zürich neu 88 Lehrkräfte ohne entsprechendes Diplom. Das ist keine gute Nachricht – weder für die Kinder, noch deren Eltern und auch nicht für jene, die sich jetzt zwar mit Elan, aber ohne Vorbereitung ins Abenteuer Lehrerberuf stürzen. Bevor vorschnell kritisiert wird: Die Schülerzahlen sind enorm gestiegen, im Kanton Zürich mussten 134 neue Klassen eröffnet werden. Unmöglich, genügend Lehrpersonen zeitgereicht auszubilden. Aber: Immer mehr Lehrpersonen quittieren den angestammten Beruf oder arbeiten nur noch Teilzeit. Warum ist das so?

Fehlentwicklungen thematisieren und beheben

Tätigkeiten ausserhalb des Unterrichts belasten Lehrkräfte immer mehr. Die Integration ganz unterschiedlicher Kinder in Regelklassen erfordert Absprachen und Koordination, generiert Zusatzaufwand und viel Unruhe. Da muss die Politik ansetzen, die Leute an der Front ernst nehmen – und auch unbequeme Entscheide fällen. Betreuung in Kleinklassen für Kinder, welche übermässig viel Aufmerksamkeit verlangen, ist nicht nur Entlastung der Lehrkräfte, sondern Chance auf mehr Förderung und Erfolgserlebnisse für das Kind. Das System funktioniert nur, wenn man ihm Sorge trägt. Motivierte, tolle Lehrkräfte mit positiver Lebenseinstellung sind da der beste, ja der einzige Weg.

Nicole Barandun-Gross

Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich

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