Adieu mit Wenn und Aber

Kolumne

Nach 13 Jahren als Präsidentin des Gewerbeverbands der Stadt Zürich ist dies meine letzte Kolumne. Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Voraussetzungen schaffen

Die Stadt bekennt sich regelmässig zur Gewerbefreundlichkeit. Nur: Wer gewerbefreundlich sein will, muss die Realität des Gewerbes kennen. Genau daran hapert(e) es häufig. Die Herausforderungen beginnen bei den Grundlagen: Gewerbeliegenschaften zu tragbaren Preisen werden immer rarer, Umschlagplätze reichen nicht aus, Parkplätze verschwinden ersatzlos. Gleichzeitig wird erwartet, dass Lieferungen, Reparaturen, Dienstleistungen zuverlässig funktionieren. Doch dafür müssen Voraussetzungen geschaffen werden. Wie oft musste ich das gebetsmühlenartig wiederholen.

Wie wäre es, neuen Verwaltungsmitarbeitenden ein Grundlagenseminar über die Bedürfnisse des Gewerbes zu verordnen? Die Anliegen von Zufussgehenden, Velofahrenden oder Anwohnenden werden detailliert erhoben und konsequent vertreten. Gut so. Aber ohne Gewerbe funktioniert keine Stadt, es schafft erst Wohnraum, Aufenthalts- und Lebensqualität. Wer sich Gewerbefreundlichkeit auf die Fahne schreibt, sollte sie auch leben. Der Regulierungsdrang mit immer neuen Vorschriften wirkt befremdlich.

Leben in der Stadt

Ursprung jeder Stadt ist der Markt – der Ort, an dem gehandelt, gearbeitet und Wertschöpfung geschaffen wird. Das sollten wir uns wieder stärker ins Bewusstsein rufen. In Zürich wohnen viele Menschen, die eigentlich lieber auf dem Land leben würden – und sollten. Eine Stadt bedeutet Vielfalt, Dichte, Arbeit, Lärm, Handel, Kultur und, ja, auch Dinge, die einem persönlich nicht passen. Genau dafür braucht es Toleranz.

Lust und Frust

Es war mir eine Freude und hat sich immer gelohnt, Gewerbetreibende, Handwerker und KMU zu vertreten. Viele Begegnungen waren bereichernd – nicht nur mit Mitgliedern, ab und an auch unerwartet mit der Verwaltung. Genugtuung bereitete mir, dass nach 12 Jahren endlich das Bedürfnis nach einer erweiterten Gewerbeparkkarte erkannt und an der Urne manifestiert wurde. Ich erwarte kein Abschiedsgeschenk, aber wenn der Fussgängerverein seine Beschwerde dagegen zurückziehen würde, hätte ich in meiner Amtszeit das drängendste Problem gelöst, könnte mit dem Nein zum Parkplatzkompromiss einigermassen leben und meine Nachfolge würde sich endlich anderen Themen widmen können.

Nicole Barandun, Präsidentin Gewerbeverband der Stadt Zürich